Morbider Charme
(Bearbeitungsstand Juni 2011)
Auf dieser Seite sollen von Zeit zu Zeit einige Fotos vorgestellt werden, die das Geschehen abseits des eigentlichen Zugverkehrs dokumentieren sollen. Noch Eisenbahn - aber schon lange keine Züge mehr. Langsames Sterben von Infrastruktur oder Fahrzeugen - je nachdem, was vor die Linse kommt. Nicht immer ist trauiges zu zeigen. Manchmal unfreiwillig komisch - jedenfalls für Insider. Oder schön für die, die zu sehen verstehen... Morbider Charme eben.
Beginnen wir in München. Westlich des Direktionsgebäudes befindet sich die alte Post-Halle. Ähnlich einem Kopfbahnhof verzweigte sich die 2-gleisige Zuführung vom Münchner Hbf (durch den noch heute so genannten "Posttunnel", nun aber nur zur Vn führend) auf 15 Hallengleise. Postzüge sind lange Vergangenheit, das Gelände lag jahrelang brach und wuchs zu. Im Jahr 2008 kam Bewegung in die Sache, die alten zugewachsenen Gleise wurden entfernt. Von der Richelstrasse wurde ein Verbindungsweg zum ebenfalls neu gebauten Radweg von Laim zur Donnersbergerbrücke quer über das Gelände geschlagen. Dieser ist schwach als braune Linie mit der Straßenbeleuchtung in Bildmitte zu erkennen. Freilich ohne das Umfeld zu gestalten...

...und so stand im Sommer 2010 das alte Poststellwerk als Ruine immer noch. Hier vom gleichen Standort wie obiges von der Posthalle fotografiert. Alle alternativen Nutzungskonzepte zerschlugen sich bislang. Bleibt nur der Abriß?


Auch im Bereich der Vorstellgruppe Vn gab es nicht mehr benötigte Gleise. Diese wurden im Rahmen des Nutzungskonzeptes Hirschgarten, zu dem auch der Bau des gleichnamigen Haltepunktes an der Münchner S-Bahn-Stammstrecke in Höhe der Friedensheimerbrücke gehört, abgetragen um den Radweg und andere neue Infrastruktur errichten zu können. Offenbar gab es südlich des "Backstages" (eines - man möge mir verzeihen - Disco-Schuppens) einmal einen Bahnübergang. Die Bauarbeiter hielten es aber offenbar nicht für nötig, beim Bau der Zuwegungsgrampe das alte Andreaskreuz zu entfernen. Man schüttete den Pfahl des Verkehrsschildes einfach mit zu, so dass nur das Andreaskreuz selbst herausragt. Wenn sich keiner findet, der es abmontiert, kann man es als Langzeitexperiment zur Korrosionsbeständigkeit betrachten.

Westlich der Friedensheimerbrücke existierte einmal der Rangierbahnhof München-Laim. Von diesem ist nur noch die alte Einfahrgruppe übriggeblieben und wird heute als Betriebsbahnhof genutzt, sowie als Zufahrt zum (ICE-)Werk München, nach Vn und Vs. Die 10-gleisige ICE-Abstellgruppe wurde bereits vor Jahren auf dem alten Rbf-Gelände gebaut, vor einiger Zeit auch ein neues Wohnviertel. Im Jahr 2011 soll links in der Vegetation eine neue zentrale Waschanlage für Züge von DB Regio enstehen. Mittendurch wurde der bereits angesprochene Radweg Laim-Donnersbergerbrücke geteert. Aber warum hier die Gleistafel stehenblieb, ist wieder so eine dieser Fragen...

...wobei es nicht nur die eine Gleistafel ist. Auch die vom Gleis 9 blieb stehen. Letztlich bauten hier die Arbeiter nur die eigentlichen Wege. Zwischendrin verlief mal ein Gleis. Das Schotterbett blieb unberührt. Ein ganzheitliches Projekt sieht anders aus, den Eisenbahnfreund freut es.

Auch dieser Prellbock des Gleises 6 blieb im Niemandsland stehen. Warum hier der Radweg hier im Zick-Zack geführt wird, entzieht sich meiner Kenntnis. Der Schaltkasten im Grünen wird es doch wohl hoffentlich nicht gewesen sein.


Im Osten des Gbf Rudolstadt gibt es eine Anschlussbahn, die über eine eigene Betriebsführung verfügt. Hauptnutzer waren das Betonwek Rudolstadt und die Getreidewirtschaft. Beide verfügten über eigene Klein-Rangierloks. Die auf dem Güterbahnhof stationierte Rangierlok der DR vom Bw Saalfeld (eine Kö bzw. in der 1980er Jahren eine 101) brachte, übergab hier an der Südseite der so genannten VEAB (Volkseigener Erfassungs- und Aufkaufbetrieb) die Waggons. Heute erhält nur noch die Getreidewirtschaft (heute als Raiffeisenlager firmierend) von Zeit zu Zeit ganzzugweise Getreide. Dann werden diese Gleise sogar noch ab und an befahren (Aufnahme April 2011). "Wüst" steht übrigens für "Wagenübergabestelle" und hat mit einer scheinbaren Wüste nichts zu tun.

Von diesen Gleisen lässt sich das leider nicht mehr sagen. Warum hier ein paar Meter Schienen fehlen, ist unklar. Jedoch ist am Standort des Fotografen ohnehin Schluss. Ursprünglich ging es dort noch zu einem weiteren Anschluss weiter, der aber schon lange nicht mehr existiert und neu überbaut ist. Soweit ersichtlich ist das geradeaus führende Gleis noch mit den übrig gebliebenen Gleisanlagen verbunden und könnten theoretisch noch befahren werden (Aufnahme April 2011).
